Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS): Auswirkungen von Corona auf betroffene Familien

Von AD(H)S betroffene Familien kennen das mulmige Gefühl zu Beginn des Wochenende oder der Schulferien: „Während andere Familien unterrichtsfreier Zeit entgegenfiebern, bedeutet sie für ADHS-Familien oft ein Mehr an Belastung“, erklärt Bildungskoordinatorin Corinna Stremme, die ihr Büro im Lüchower Kreishaus hat. Wie kommt das?

„ADHS-Kinder – deutschlandweit sind schätzungsweise rund 530 000 Kinder und Jugendliche betroffen – können schlecht still sitzen, sind im Vergleich zu Gleichaltrigen schwieriger in der Lage sich zu konzentrieren, zuzuhören und Verhalten zu imitieren“, sagt Corinna Stremme, „Lernen und soziale Kontakte sind oft belastet und führen zu Konflikten im Elternhaus und im Freundeskreis.“ Geschwister-Rivalität und Scheidungen seien häufiger als in vermeintlich „normalen“ Familien.

Mit der Situation rund um das Corona-Virus, den Schulausfall und die Kontaktbeschränkungen verstärke sich der Leidensdruck der Familien möglicherweise. „Kinder mit dieser Dysfunktion des Gehirns können sich nicht gut selbst managen“, erläutert Stremme. Und auch wenn das Thema Schule „Dauerbaustelle“ sei, weil beispielsweise der Kampf um Hausaufgaben und das richtige Verhalten belastet, so können die in der Schule vorhandenen Strukturen im Normalfall doch auch hilfreich sein. Mit der Schließung der Schulen und den Einschränkungen von Freizeitmöglichkeiten seien ADHS-Familien dagegen weitestgehend auf sich gestellt.

„Wenn Schule gelingt und Nachbarn und Familie mitmachen - durch Betreuung und Unterstützung und Wissen rund um die Dysfunktion des Gehirns – reduziert sich der Leidensdruck der Familien deutlich und die Symptome lassen sich sogar verringern. „Die Umwelt ist nämlich mit für die Verstärkung von Symptomen verantwortlich“, so Stremme. Dies liege unter anderem daran, dass es sich um eine psychische Störung handelt und der Bewegungsdrang zunimmt, wenn die Exekutivfunktionen des Gehirns betroffen sind.

Was können betroffene Familie konkret tun, wenn das Kind oder die Eltern bzw. Geschwister zuhause in die Krise geraten?

Strukturieren Sie den Tag. Hier ein Beispiel: 8 Uhr Wecken, 8 Uhr 30 Fertigmachen, 8 Uhr 45 Frühstück,  9 Uhr 30 Aufräumen, 10 Uhr bis 12 Uhr Lernzeit, 12 Uhr Pause, 13 Uhr Essen, 13 Uhr 30 Entspannung, 14 Uhr Bewegung, 15 Uhr Computerzeit, 16 Uhr Telefonat mit den Großeltern, 16 Uhr 30 Medieneinsatz, 17 Uhr zu zweit Bewegung im Freien ohne Fremdkontakt, 18 Uhr Abendbrot, 19 Uhr Gesellschaftsspiele oder Puzzeln, 20 Uhr Zubettgehen. Visualisieren Sie die Abläufe oder erstellen Sie einen Tagesplan. Besprechen Sie die Abläufe, und sorgen Sie für die Einhaltung. Das gesunde Maß an Anspannung, Bewegung, Konzentration und Entspannung sorgt dabei für eine Zeit, die bewältigt werden kann. Belohnungssysteme helfen hier.

Positives Denken üben: Berufen Sie sich auf Ihre Stärken als Familie: Was ist jetzt deutlich besser in der Krise als zuvor? Loben Sie sich und Ihre Familie für das, was gut gelingt. Das stärkt die gesamte Familie.

Für Bewegung sorgen. Der Youtube-Kanal von ALBA Berlin bietet jeden Tag für Grundschüler/innen ein Sportprogramm speziell jetzt in der Corona Krise: www.youtube.com/user/albabasketball

Kreativ sein. Kostenlose Malunterlagen und Anderes, damit die schulfreie Zeit kreativ genutzt werden kann: www.illustratoren-gegen-corona.de

Lesen Sie (Kinder-) Ratgeber:

  • Hoberg, K. (2018): Schulratgeber ADHS. Ein Leitfaden für LehrerInnen. 2. Aufl. Ernst Reinhardt, München
  • Juul, J. (2008): Nein aus Liebe. Klare Eltern – starke Kinder. 3. Aufl. Kösel, München
  • Grumann, E. (2016): Puffel darf Fehler machen. Selbstbewusstseinstraining für Kinder. BoD, Norderstedt
  • Palmowski, W. (2015): Nichts ist ohne Kontext. Systemische Pädagogik bei „Verhaltensauffälligkeiten“. 3. Aufl. modernes lernen, Dortmund 
  • Stremme, C. (2020): Töffel ist toll, wie sie ist. Ideen-Stifterei, Hannover und (2018): Keep cool. Hilfen bei ADHS. Elternratgeber für Schule und Zuhause. Ernst Reinhardt, München

Rat und Hilfe gibt es hier

  • Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder: 116 111
  • Elterntelefon: 0800 / 111 0550
  • Familien-Service-Büro beim Landkreis Lüchow-Dannenberg: 05841 / 120-350
  • Erziehungsberatungsstelle Lüchow: 05841 / 97 95 43 0
  • Kinderschutzbund Lüneburg/Nord-Ost-Niedersachsen: 0800 / 111 0 333
  • ADHS-Netz Deutschland: Angela Schwager, 05554 / 99 56 46, email-beratung@adhs-niedersachsen.de

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