Pressemitteilungen

Was bringen Agrar-Umweltmaßnahmen auf Ackerflächen für die Vogel-, Insekten- und Pflanzenwelt? – Runder Tisch im Rahmen der NATURA 2000-Gebietsbetreuung tagte online (14.12.2020)
Landkreis Lüchow-Dannenberg (PM 292/2020)

Mit der richtigen Blühmischung wie der vom Biosphärenreservat entwickelten „Hummelmischung“ lassen sich viele seltene Wildbienen- und Hummelarten fördern, berichtete Jann Wübbenhorst im Rahmen der Veranstaltung. Foto: Jann WübbenhorstWie entwickeln sich Ackerflächen, die nach speziellen Auflagen der Agrarumweltmaßnahmen für den Ortolan bewirtschaftet werden? Wie lässt sich auf Blühflächen mehr Biodiversität erreichen und wie geht es in der nächsten Förderperiode 2021-2027 mit den Agrar-Umweltmaßnahmen weiter? Diese und mehr Fragen diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft und Naturschutz im Rahmen der Gebietsbetreuung des Landkreises Lüchow-Dannenberg für die Schutzgebiete Drawehn, Lucie und Nemitzer Heide kürzlich bei einer Video-Veranstaltung.

Petra Bernardy, zuständige Gebietsbetreuerin für die EU-Vogelschutzgebiete "Drawehn" und "Lucie" sowie für die Ortolan-Fördermaßnahmenkulisse, stellte ihre Ergebnisse zur Entwicklung der Ackerflächen vor, die nach den speziell auf den Ortolan ausgerichteten Auflagen bewirtschaftet werden. Mit über 1.600 Brutpaaren des Ortolans, einer seltenen, auf sandige Ackerflächen angewiesenen Singvogelart, brüten demnach etwa 75 Prozent des niedersachsenweiten Bestandes in Lüchow-Dannenberg. Der Landkreis trage damit eine sehr hohe Verantwortung für den Erhalt dieser gefährdeten Vogelart. Darum haben auch mehr als 100 Landwirtschaftsbetriebe der Region auf einer Ackerfläche von 1.341 Hektar Fördermaßnahmen abgeschlossen, die der Art zu Gute kommen sollen, teilte Bernardy mit. Die dargestellten Untersuchungsergebnisse zeigen, so Bernardy weiter, dass der Anteil erfolgreicher Bruten auf Ackerflächen, die an der Fördermaßnahme teilnehmen, deutlich höher ist als auf Ackerflächen ohne entsprechende Auflagen. Deutlich werde auch, dass der Anteil erfolgreicher Bruten steige, je länger die Ackerflächen schon an der Maßnahme teilnehmen.

Heinke Kelm vom Landschaftspflegeverband Wendland-Elbetal e.V. brachte Beispiele dafür, wie sich die Pflanzenwelt auf diesen Ackerflächen entwickelt hat. Bei ihren Untersuchungen konnte sie im Sommer 2020 insgesamt 144 Wildpflanzenarten auf den sogenannten Ortolanflächen nachweisen, darunter neun teilweise stark bedrohte Pflanzenarten wie z.B. das Kahle Ferkelkraut. "Je länger die Ackerflächen unter Vertrag stehen, desto höher ist die Anzahl der Wildkräuter, insbesondere auch der seltenen Arten", so Kelm. Dies seien Fakten, die dafür sprächen, die Fördermaßnahme durchgängig anzubieten. Die TeilnehmerInnen stimmten darin überein, dass es umso bedauerlicher auch für die Planungssicherheit der Landwirte sei, dass diese und weitere Agrarumweltmaßnahmen im Jahr 2020 nicht abgeschlossen werden konnten und auch voraussichtlich im Jahr 2021 nicht wieder abgeschlossen werden können. 2022 sollen voraussichtlich alle altbewährten Agrarumweltmaßnahmen erneut angeboten werden können.

Der Ortolan kommt fast ausschließlich in Niedersachsen in Lüchow-Dannenberg vor, erläuterte Heinke Kelm vom Landschaftspflegeverband Wendland-Elbetal e.V.: „Mehr als 100 Betriebe haben Maßnahmen abgeschlossen, die der Art zu Gute kommen sollen." Foto: Hans-Jürgen KelmWie sich mit Blühmischungen mehr für die Biodiversität, insbesondere für Wildbienen und Hummeln, tun lässt, zeigte Jann Wübbenhorst von der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue: Anders als herkömmliche Ansaatmischungen, die oft nur kurze Blühzeiten haben und von Wildbienen kaum genutzt werden können, biete eine für das Biosphärenreservat entwickelte hummelfreundliche Mischung mit hohen Anteilen an Leguminosen über einen Großteil der Saison Blütenreichtum. Der lange Zeitraum mit Nektar- und Pollenangebot ist überlebenswichtig für Hummeln und viele weitere Insekten, erläuterte Wübbenhorst. Auf Flächen, die 2020 mit dieser bei der VR PLUS Altmark-Wendland eG in Dannenberg erhältlichen Mischung bestellt wurden, konnten bereits viele Wildbienenarten und Hummeln, darunter auch hoch spezialisierte, seltene Arten im Biosphärenreservat festgestellt werden. Laut Wübbenhorst seien strukturreiche Blühstreifen, bei denen ein Teil der Fläche nicht jedes Jahr neu angesät wird, sowie mehrjährige Blühstreifen insgesamt artenreicher und naturschutzfachlich sinnvoller als die weit verbreiteten einjährigen Ansaaten. Auch wenn nicht jede Blühmischung allen Interessenslagen und Ansprüchen gerecht werde, so lasse sich über eine Beratung viel für die Artenvielfalt erreichen.

Für die Landwirtschaft ist die kooperative Zusammenarbeit und deren Förderung wichtig, betont auch Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen e.V. Die Akzeptanz für Agrar-Umweltmaßnahmen in der Region sei hoch. Man wünsche sich außerdem mehr produktionsintegrierte Umwelt-Maßnahmen, stimmt ihm Robert Rippke, Landwirt und Vorsitzender des Landschaftspflegevereins Wendland-Elbetal e.V. zu.

Die naturschutzfachliche Beratung der Landwirte sei das A und O für den Abschluss von Agrarumweltmaßnahmen oder die Umsetzung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen, so das Resümee der TagungsteilnehmerInnen. Die Ausgestaltung des kürzlich beschlossenen "Niedersächsischen Wegs" biete laut Heuer für die Region eine "Riesen-Chance".

Kommentare zum Inhalt
Zu diesem Inhalt sind noch keine Kommentare vorhanden.
Wollen Sie einen Kommentar erstellen?

Parameter

• Schriftgrad ändern: Klein Mittel Groß Sehr groß

• Farbmodus ändern: Schwarz auf Weiß Gelb auf Schwarz

• Umschalten auf Standardeinstellungen

•  zurück zu Layoutversion